Die Freiheit zu sein

„Meine Mutter war so wie ich – nur älter!“ (Marek Bieganik, Maler)

Alte Mythen erzählen, wie die Welt sich erschaffen hat und auch enden mag. Erde vermischt sich mit Wasser, verschlammt, schluckt Leben, hinterlässt Abdrücke im Gestein. Gesteine verformen sich, neues Leben wird erweckt, der Kreis schließt sich, wird unendlich und ständiger Wandel unterwirft die Welten!

Kunst greift auf, mischt die Elemente – vier Urstoffe werden zu Farbe und zum Ursprung von Kreativität. Der Künstler vermischt seine inneren, eruptiven Bilder zu Abstraktionen – die Urstoffe explodieren unter seinen Händen, werden zu Farben und Formen auf der Leinwand. Der Künstler hinterlässt seine ureigensten Phantasien, er gestaltet für sich und den Betrachter eine neue Welt.

Kunst, so kreiert, erinnert fossilienartig an Vergangenes, fast Zeitloses und doch Zukünftiges, weil Kunst wird zu Kunst, wenn sie das Hier und Jetzt überdauert – wie das Gestein, aus dem die Erde einst geworden. Jeder mag erahnen, dass die eigene Zerrissenheit sich im Kunstwerk widerspiegelt und den momentanen Betrachter überleben wird. Das Kunstwerk wird so Teil des eigenen, endlichen Daseins und kann als Kunstwerk doch unendlich werden und noch in vielen Jahren die Geschichte einer Existenz erzählen – wie das Gestein, aus dem die Erde einst geworden.

Marek Bieganik und sein Kunstwerk, beide stehen symbiotisch zueinander und – genauso wie die Vermischung der Urstoffe – vermischen sich Gedanken und Schaffen. Aus Symbiose entstehen Widersprüche: die eigenen ursprünglichen Gedanken aus der Freiheit des Lebens und Freiheit der Kunst treffen aufeinander. Marek Bieganik konstruiert sich seine Welt, wohl erahnend, dass durch die Vermischung und Entmischung der Urstoffe nicht nur wieder Neues entsteht, sondern es jedermanns Weg ist.